Traditionsduell am Hünting- 1. FC Köln II zu Gast
Für den 1. FC Bocholt steht am 15. Spieltag der Regionalliga West das nächste Heimspiel auf der Agenda. Zu Gast im praemium Park am Hünting ist am Sonntag (Anstoß 18 Uhr) die zweite Mannschaft des Bundesligisten 1. FC Köln.
Das Duell mit den Kickern vom allseits bekannten Geißbockheim kommt auf den ersten Blick wie ein normaler Kräftevergleich mit der zweiten Mannschaft eines Bundesligisten daher, doch die Begegnung mit den Kölnern ist schon lange kein normales Spiel mehr – man kann es mittlerweile getrost unter dem Punkt „Traditionsduell“ führen.
Stattliche 48 Mal trafen die Schwatten in der Vergangenheit nämlich schon auf die talentierten Domkicker, so oft wie auf keinen anderen Club der Regionalliga West. Das erste Kräftemessen der beiden Teams ist auf den 8. Oktober 1978 datiert, als der FCB die Kölner am Hünting in der Oberliga Nordrhein mit einem 4:2-Erfolg auf die Heimreise schicken konnte.
Insgesamt gewannen die Bocholter 22 Partien, zwölfmal ging der „Effzeh“ als Sieger vom Rasen und 14 Spiele endeten remis.
Dass zu den 22 Siegen am Sonntag einer hinzugefügt werden kann, ist nach dem 3:3-Unentschieden beim VfL Bochum II in der Vorwoche das erklärte Ziel des FCB um Chefcoach Guerino Capretti- dass dies jedoch kein einfaches Unterfangen wird, zeigt ein Blick auf die bisherigen Partien sowie den Kader der Gäste.
Das Kölner Nachwuchsleistungszentrum am Geißbockheim gehört seit Jahren zur absoluten Elite in Deutschland, hat schon viele große Namen hervorgebracht und bestätigt die gute Arbeit kontinuierlich vor jeder Saison – ein Indiz dafür ist, dass die U21 aktuell bereits ihre 19. Spielzeit in Serie in der Regionalliga spielt.
Damit das auch weiterhin der Fall ist, haben die Kölner wieder ordentlich reingeklotzt und dem Team vor der Saison abermals einen neuen Anstrich verliehen. Angefangen haben die Macher in Köln beim Cheftrainer; dort hatte sich Evangelos Sbonias nach drei Jahren auf der Kommandobrücke für höhere Aufgaben empfohlen und ist in den Lizenzspielerstab unter Trainer René Wagner aufgerückt. Als Nachfolger wurde der 42-jährige Ex-Profi Manuel Hartmann präsentiert, der seit 2018 in der FC-Akademie tätig ist und dort zuletzt die U16 betreute. Hartmann bestritt 116 Partien als aktiver Spieler in der 2. Bundesliga für die TuS Koblenz, den FC Ingolstadt sowie Holstein Kiel. Erfahrung verpflichteten die Verantwortlichen auch auf dem Rasen in Person von Angreifer Jonas Arweiler (SC Verl) und Innenverteidiger Niklas Hoffmann (Waldhof Mannheim).
Die beiden 29-jährigen Routiniers sollen die vielen jungen Akteure führen, die zum Kader gestoßen sind – an der Zahl satte zehn aus U19-Teams. Aus dem eigenen Nachwuchs schafften sechs Spieler den Sprung in den Seniorenbereich; Evan Brown (Ulm), Simeon Castano Bader (KSC), Lionel Voufack (RB Leipzig) sowie David Okpodu (Nürnberg) wurden von anderen Clubs in die Rheinmetropole gelotst.
Auf der Abgangsseite stehen 16 Spieler, die ihr Glück nun anderweitig suchen, darunter standesgemäß einige Stammspieler der vergangenen Jahre wie Arda Süne (RWO), Yannick Mausehund (Havelse), Angreifer Mansour Ouro-Tagba (Bochum), Mikail Özkan (vereinslos) und der Topscorer der abgelaufenen Saison, Sargis Adamyan.
An den Hünting reisen die Kölner als aktueller Tabellensechster mit 21 Punkten auf dem Konto und einer kleinen Serie von drei Partien ohne Niederlage. Zuletzt trennten die Kölner sich mit einem 2:2-Remis vom SC Paderborn II, davor wurden durch das 3:1 gegen Schalke II sowie durch das 3:2 über den SV Rödinghausen zwei Siege eingefahren. Auch den Verlust der halben Offensivabteilung vor der Spielzeit konnten die Geißböcke sehr gut auffangen und Nilas Yacobi (7 Tore) sowie Malek El Mala (5) und Luis Labenz (5) sich bereits öfter in die Torschützenliste eintragen – Yacobi ist mit sieben Treffern und sechs Assists Topscorer der Mannschaft.
Bocholts Coach Guerino Capretti freut sich auf das Duell zu ungewohnter Anstoßzeit und erinnert sich dabei an seine Karriere als aktiver Spieler. „Da hatte ich schon das Gefühl, dass es was anderes ist, als normal um 14 Uhr zu spielen“, sagt er und betont: „Die Jungs sind Profis, wir werden uns gut vorbereiten und den Tag so verbringen, dass wir am Abend voll da sind, spritzig sind.“
Von der Spielanlage her erwartet Capretti mit den Kölnern einen ähnlichen Gegner wie in der Vorwoche die Bochumer U23, der „vielleicht einen Tick zielstrebiger, einen Tick gefährlicher im Umschaltspiel ist.“
Deshalb fordert er von seiner Mannschaft die Tugenden, die ihm gegen Bochum imponiert haben, und unterstreicht: „Das Auftreten, die Kontrolle des Spiels, die Intensität, die Zweikampfführung und diesen Willen brauchen wir auch in unserem Heimspiel am Sonntag.“
Zudem hofft Capretti, dass wieder zahlreiche Fans die Schwatten am Hünting unterstützen, und sagt: „Ich freue mich auf dieses Spiel, das hat immer ein gewisses Flair. Und ich hoffe natürlich, dass wir wieder viele Zuschauer begrüßen dürfen, die uns supporten.“
In der letzten Saison drehten die Schwatten am ersten Spieltag richtig auf und gewannen am Hünting souverän durch Treffer von Arnold Budimbu (53.), Marvin Lorch (74.) sowie Cedric Euschen (77.) mit 3:0. Im Franz-Kremer-Stadion setzte es für den FCB eine knappe 3:2-Niederlage.
Aus dem Bocholter Kader haben mit Mannschaftskapitän Arnold Budimbu sowie Spielmacher Stipe Batarilo-Cerdic zwei Spieler eine Vergangenheit am Geißbockheim. Beide stammen aus der Jugend des 1. FC Köln und Budimbu bestritt 2013/14 sogar seine ersten Partien im Seniorenbereich in der Regionalliga West für die Kölner Zweitvertretung. Dass Batarilo-Cerdic nach seiner Verletzungspause am Sonntag gegen seinen Jugendclub mitwirken kann, ist eher unwahrscheinlich. "Er hat jetzt zweimal mit der Mannschaft trainiert und wir warten das Abschlusstraining ab. Ich denke aber eher, dass es nichts wird uns Stipe sich auf das nächste Spiel konzentriert", sagt Capretti. Ebenso wird Patrick Kurzen zuschauen müssen, er sah am vergangenen Samstag seine fünfte gelbe Karte und fehlt gesperrt.
