1. FC Bocholt zu Gast in Mönchengladbach
Am dritten Spieltag der Regionalliga West gastiert der 1. FC Bocholt am Samstag (Anstoß 14:00 Uhr) bei der Zweitvertretung des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Im Grenzlandstadion wird es für die Elf von Trainer Guerino Capretti darum gehen, die schmerzhafte 4:5-Niederlage aus der Vorwoche gegen Schalke 04 II abzuschütteln und bestenfalls den ersten Dreier der Saison einzufahren.
Die Partie gegen die Nachwuchs-Knappen am letzten Spieltag war - und wird sicherlich - auch noch lange nach dem Spektakel in aller Munde sein. Dabei bot sich ein Szenario wie gemalt: Die neue Stadtwerker-Tribüne wurde eingeweiht, die Sonne zeigte sich im restlos ausverkauften praemium Park am Hünting und auf dem Rasen brannte die Capretti-Elf in den ersten zwanzig Minuten ein Feuerwerk sondergleichen ab, schenkte S04 vier Gegentore ein und ging mit einer 4:1-Führung in die Kabinen – es bahnte sich ein Fußballfest aus Bocholter Sicht an.
Im Verlauf der zweiten 45 Minuten drehte Schalke das Spiel dann aber noch und nach dem Abpfiff stand ein bitteres 4:5 auf der Anzeigetafel – ein Schock, wie ihn das altehrwürdige Stadion am Hünting nur selten verkraften musste.
Doch hinter Schalke wurde mittlerweile ein Haken gesetzt. Bocholts Trainerteam und die Mannschaft haben intern eine gründliche Fehleranalyse betrieben und intensive Gespräche geführt, sodass der Fokus nun voll auf die schwere Auswärtsaufgabe in Mönchengladbach gerichtet werden kann. "Wir haben das Schalke-Spiel knallhart und sachlich analysiert. Wir waren uns einig, dass wir das defensiv besser machen können und auch wollen", so Capretti.
Am Niederrhein trifft der FCB auf auf eine maximal talentierte Mannschaft, die seit Jahren konstant gute Leistungen in der Regionalliga West zeigt und immer wieder als schwer auszurechnen gilt - was nicht zuletzt an der hohen Fluktuation im Kader liegt. Auch vor der laufenden Saison mussten sich die Trainings-Kiebitze am Borussia-Park an viele, neue Gesichter gewöhnen: 16 Abgänge fingen die Verantwortlichen mit ebenso vielen Neuzugängen auf und auch der Chefcoach ist ein neuer beim Vorjahres-Sechsten der Tabelle. Sind die Borussen in den vergangenen Jahren noch mit Eugen Polanski (jetzt Trainer der Bundesliga-Mannschaft) in die Saison gegangen, so ist nun Mihai Enache auf der Kommandobrücke und der hat bereits Stallgeruch.
Der 45-jährige Deutsch-Rumäne kommt, wie der Großteil seiner Spieler, aus dem eigenen Nachwuchs, coachte zuletzt die U19 der Fohlen und begrüßte gleich zehn seiner Nachwuchs-Akteure als Neuzugänge für den Regionalliga-Kader. Neben den verheißungsvollen Youngsters wurden ebenso erfahrene Routiniers ins Grenzlandstadion gelotst, die als Führungsspieler voran gehen sollen und mit Stürmer Thilo Töpken vom Drittligisten MSV Duisburg haben die Borussen dabei einen echten Transfercoup eingetütet. Für Guerino Capretti spielen individuelle Akteure und deren Vita beim Gegner jedoch eher eine untergeordnete Rolle: "Ich kann natürlich viel Zeit investieren, darüber reden wie gut ein Spieler ist und am Ende spielt er gar nicht. Wir sollten unsere Energie deshalb in Dinge stecken, die wir beeinflussen können und das ist unsere Leistung."
Die haben die Gladbacher in den ersten beiden Spielen eindrucksvoll abgerufen und sind mit zwei Siegen in die Saison gestartet, weshalb sie aktuell von der Tabellenspitze grüßen. Am ersten Spieltag stand ein souveräner 2:0-Erfolg über den SV Rödinghausen, vergangenen Samstag folgte ein 3:1-Sieg beim SC Paderborn II. Trotz der Tatsache, dass die Borussia in Top-Torjäger Jan Urbich (Braunschweig), Super-Talent Winsley Boteli (Sion), Veit Stange (VFB Stuttgart II) und Ex-Bundesligaprofi Julian Korb (Karriereende) wichtige Säulen verloren hat, besticht der Kader durch viel Qualität- das weiß auch Capretti: "Die Gladbacher haben gute Spieler in ihren Reihen. Sie sind jung, spielstark, gut ausgebildet und können alle marschieren. Wir wissen, was auf uns zukommt und sind definitiv gewarnt." Bocholts Coach geht von einer Begegnung auf einem Level mit den Schalkern aus, ist aber vom Mindset her komplett bei sich und der Mannschaft.
"Unser Schwerpunkt muss bei uns liegen. Wir haben gezeigt, dass wir Tempo gehen können, dass wir eine gewisse Wucht auf den Platz bringen können", betont er und ergänzt: "Wir müssen die gegnerischen Angriffe besser verteidigen, allgemein weniger Angriffe zulassen und unser Spiel klarer auf den Platz bringen. Und dann bin ich auch ziemlich zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel machen und Punkte holen werden."
Tim Krohn, der unter der Woche von Hansa Rostock ausgeliehen wurde, gehört zum Spieltagskader und Kapitän Arnold Budimbu ist zurück. Für Ozan Hot und Dominik Lanius kommt ein Einsatz noch zu früh, beide trainieren aber individuell schon wieder auf dem Rasen.
