Aydogan: Mund abwischen und weitermachen.
Celal Aydogan ist einer der drei Winter-Neuzugänge des 1. FC Bocholt und hat sich in kürzester Zeit ins Team integriert. Mit 21 Jahren bringt er nicht nur frische Dynamik ins Mittelfeld, sondern auch schon wertvolle Erfahrungen aus verschiedenen Stationen im Seniorenfußball. Im Gespräch erzählt er von seinen ersten Eindrücken in Bocholt, den besonderen Momenten, die ihn hier bereits geprägt haben und den Herausforderungen, die er auf seinem Weg gemeistert hat.
AM BALL: Angekommen in Bocholt: Was sind deine ersten Eindrücke von der Stadt, dem Verein und dem Team?
Celal Aydogan: "Von der Stadt und dem Verein habe ich einen sehr guten Eindruck gewonnen. Bocholt ist im Vergleich zu anderen Städten eher klein, aber die Verbundenheit zwischen Stadt und Verein ist hier unglaublich stark. Das merkt man sofort. Der 1. FC Bocholt hat mich sehr positiv überrascht. Die familiäre Atmosphäre hier tut gut, sowohl auf als auch neben dem Platz.“
AM BALL: Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du zum ersten Mal bewusst einen Ball am Fuß hattest? War es auf der Straße, im Garten oder direkt im Verein?
"Was ich auf alten Kinderfotos immer wieder sehe: Ich hatte schon als kleiner Junge ständig einen Ball am Fuß. Mit meinen Freunden habe ich fast jede freie Minute auf dem Bolzplatz verbracht. Wir sind in Duisburg und Umgebung immer auf der Suche nach Schulhöfen mit kleinen Plätzen oder einfach nur nach zwei Toren gewesen, damit wir gegeneinander spielen konnten. Fußball war von Anfang an unser Ding.“
AM BALL: In deiner Jugend hast du für SC Bayer 05 Uerdingen, TuRa 88 Duisburg und die SG Unterrath gespielt, bevor du in der U19 des MSV Duisburg in der A-Junioren-Bundesliga aktiv warst. Wie groß war für dich der Unterschied zwischen den unteren Ligen und der U-Bundesliga?
„Ehrlich gesagt war der Unterschied für mich gar nicht so groß, weil in den Vereinen, in denen ich gespielt habe, sehr viel Wert auf die Jugendarbeit gelegt wurde. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Natürlich ist es ein Unterschied, in einem Nachwuchsleistungszentrum zu spielen, aber spielerisch habe ich mich trotzdem schnell zurechtgefunden.“
Das Tor in der 2. Minute im Heimspiel gegen Wiedenbrück hat mir sehr viel bedeutet.
AM BALL: Hat jemand aus deiner Jugendmannschaft den Sprung in den Proifußball geschafft?
„Ja, zwei Jungs aus Duisburg haben es geschafft. Mein guter Freund Baran Moğultay spielt aktuell in der U23 von Borussia Dortmund, und Kasper Jander, mein Partner im Mittelfeld, spielt jetzt beim 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga.“
AM BALL: Dann kam der Wechsel in den Seniorenbereich: Du hast für den TSV Steinbach, den SV Straelen, RW Ahlen und den SC Paderborn II gespielt. Wie war diese Zeit für dich?
„Der erste Schritt in den Seniorenfußball begann mit meinem Wechsel zum TSV Steinbach. Mit 19 Jahren zum ersten Mal allein für den Fußball umzuziehen und selbstständig zu leben, war nicht einfach. Aber genau das hat mir extrem geholfen, den Seniorenfußball richtig kennenzulernen. Jede Station hat mich weitergebracht und mich gelehrt, was es heißt, jeden Schritt bewusst zu gehen und immer weiterzumachen."
AM BALL: Baller League 23/24: Wie kam es dazu, dass du dort gespielt hast?
„Das lief über ein ganz normales Sichtungstraining, bei dem ich wohl gut performt habe. Danach wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, beim VfR Zimbos in der ersten Saison der Baller League zu spielen. Da es die erste Saison war, wusste niemand genau, wie sich das Ganze entwickeln würde und ob es mit dem Profifußball kombinierbar ist. Nach drei Spieltagen hat mein damaliger Verein RW Ahlen dann gesagt, dass das Verletzungsrisiko zu hoch sei. Da habe ich mich entschieden, die Baller League wieder zu verlassen."

Am heimischen Hünting legte Celal Aydogan einen perfekten Einstand hin und traf bereits in der 2. Minute gegen den SC Wiedenbrück. Foto: Monika Gajdzik
AM BALL: In deinem ersten Heimspiel für den 1. FC Bocholt hast du mit deinem Treffer gleich ein Ausrufezeichen gesetzt. Wie hast du diesen Moment erlebt?
„Das Tor in der 2. Minute im Heimspiel gegen Wiedenbrück hat mir sehr viel bedeutet. Als neuer Spieler willst du dich vor allem vor den Fans beweisen und zeigen, dass du der Richtige für den Verein bist. Ich war einfach glücklich darüber, dass wir als Mannschaft gut zusammengespielt haben und Jeder für Jeden gekämpft hat. Genau so kann es weitergehen!"
AM BALL: Nach deinem starken Start kam direkt eine erste Herausforderung: Im Spiel gegen die U23 von Schalke 04 hast du in der 48. Minute eine Rote Karte wegen einer Notbremse bekommen. Wie gehst du mit solchen Momenten um?
„Mein Blick richtet sich ganz klar nach vorne. Die Rote Karte war natürlich bitter, aber sowas passiert im Fußball. Mund abwischen und weitermachen. Jetzt habe ich zwei Wochen Zeit, mich vorzubereiten, um wieder voll da zu sein. Solange unterstütze ich die Mannschaft im Training und an den nächsten beiden Spieltagen von außen. Wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass es einfach ein Missverständnis zwischen Lucas Fox und mir war. Ich habe mich in dem Moment schlecht gefühlt, weil es meine erste glatte Rote Karte war. Natürlich ärgert mich die Situation, aber gleichzeitig habe ich unser Team vor einem Gegentor geschützt – in dem Moment habe ich mich gewissermaßen für die Mannschaft geopfert. Das zeigt, dass ich bereit bin, alles zu geben, auch wenn es manchmal harte Konsequenzen hat."
Natürlich ärgert mich die Situation, aber gleichzeitig habe ich unser Team vor einem Gegentor geschützt – in dem Moment habe ich mich gewissermaßen für die Mannschaft geopfert. Das zeigt, dass ich bereit bin, alles zu geben, auch wenn es manchmal harte Konsequenzen hat.
AM BALL: Gibt es einen Moment in deiner Karriere, der dir bis heute Gänsehaut bereitet?
„Ich glaube, es war allgemein mein erstes großes Stadionerlebnis, das mir bis heute Gänsehaut bereitet. Da habe ich gesehen, bis wohin der Fußball geht, und gespürt, was für eine unglaubliche Stimmung in einem Stadion herrscht. Ich wollte als kleiner Junge immer in einem Stadion spielen, und mein bislang größter Moment war das Spiel mit RW Ahlen bei Alemannia Aachen vor 27.000 Zuschauern. Das war einfach unbeschreiblich. In so einer Atmosphäre zu spielen, hat sich angefühlt, als wäre ich schon ein echter Bundesliga-Profi."
AM BALL: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo – oder gibt es eine andere Fußballlegende, die dich inspiriert?
„Dieses Thema kommt sehr oft bei mir und meiner Freundesgruppe auf. Als kleiner Junge musste man sich damals zwischen Messi und Ronaldo entscheiden. Beide sind zweifellos die besten Spieler unserer Generation, aber ich war immer Team Cristiano Ronaldo. Seine Disziplin, seine Mentalität und die Art, wie er den Fußball verkörpert, haben mich schon immer tief beeindruckt. Er hat bewiesen, dass man mit Ehrgeiz, harter Arbeit und einem starken Mindset auch ohne außergewöhnliches Talent an die Spitze gelangen kann. Über mehr als 15 Jahre hinweg auf dem höchsten fußballerischen Niveau zu spielen, ist eine unglaubliche Leistung. Genau das hat mich in meiner Kindheit und auch heute noch inspiriert und motiviert.“
AM BALL: Danke für das Gespräch, Celal!
Das Interview wurde nach dem Spiel gegen die U23 von Schalke 04 für die AM BALL gegen SV Rödinghausen geführt.